Manchmal habe ich keine Energie.
Und manchmal habe ich so viel davon, dass mein Körper offenbar beschlossen hat, sie ohne weitere Rücksprache zu verwenden.
Das klingt zunächst widersprüchlich. Ist es wahrscheinlich auch. Aber genau solche Widersprüche gehören für mich zum Alltag: eben noch völlig erschöpft, später plötzlich Bewegung, Ideen, Tempo und das Gefühl, jetzt sofort irgendetwas machen zu müssen.
Dann tut Bewegung gut.
Nicht als Selbstoptimierungsprojekt. Nicht, weil irgendeine Uhr beschlossen hat, dass noch 3.742 Schritte fehlen. Und auch nicht, weil Bewegung sämtliche Probleme löst.
Sondern manchmal schlicht deshalb, weil der Körper gerade Bewegung möchte.
Laufen, schnell gehen, mit dem Fahrrad irgendwohin, Musik und Bewegung oder einfach dieses Gefühl, für einen Moment nicht stillhalten zu müssen. Gedanken verschwinden dadurch nicht unbedingt. Aber sie müssen sich den Platz plötzlich mit etwas anderem teilen.
Das kann befreiend sein.
Gerade deshalb finde ich es schwierig, wenn jede Form von Bewegung sofort in Leistung übersetzt wird. Schneller. Weiter. Regelmäßiger. Trainingsplan. Ziel. Fortschritt.
Manchmal möchte ich mich bewegen, ohne daraus ein Projekt zu machen.
Vielleicht ist das auch eine Form von Regulation: nicht ständig gegen den eigenen Zustand zu arbeiten, sondern gelegentlich zu schauen, was der Körper gerade damit anfangen möchte.
Heute läuft Reizi.
Morgen liegt er vielleicht wieder auf dem Sofa.