Manchmal ist gar nicht die einzelne Aufgabe das Problem.
Aufstehen geht vielleicht noch. Einkaufen auch. Eine Nachricht beantworten sowieso. Einen Termin wahrnehmen, kurz etwas erledigen, noch schnell die Wäsche machen – alles für sich genommen Dinge, bei denen man von außen kaum verstehen würde, warum sie irgendwann zu viel werden.
Aber der Alltag besteht eben nicht aus einer Aufgabe.
Er besteht aus allem gleichzeitig.
Aus Dingen, die erledigt werden müssen. Dingen, die längst hätten erledigt werden sollen. Dingen, die plötzlich dazukommen. Aus Geräuschen, Gesprächen, Entscheidungen, Erwartungen und diesem permanenten Gefühl, dass irgendwo noch etwas offen ist.
Und irgendwann meldet sich der Körper.
Nicht unbedingt spektakulär. Manchmal wird Denken einfach schwerer. Geräusche werden anstrengender. Jede weitere Entscheidung kostet unverhältnismäßig viel Kraft. Man möchte sich zurückziehen, kann aber nicht richtig abschalten. Selbst Dinge, die normalerweise kein großes Problem sind, fühlen sich plötzlich an wie der berühmte eine Tropfen zu viel.
Das Gemeine daran: Der Alltag bekommt davon keine Push-Benachrichtigung.
Die Rechnung bleibt liegen. Der Termin verschwindet nicht. Der Kühlschrank füllt sich nicht aus Solidarität von selbst. Und auf „Ich kann gerade wirklich nicht mehr“ antwortet das Leben erstaunlich häufig mit: „Okay. Aber könntest du trotzdem noch kurz …?“
Gerade bei AuDHS kann dadurch ein ziemlich absurder Zustand entstehen: Man merkt längst, dass die eigenen Ressourcen aufgebraucht sind – und versucht trotzdem weiterzumachen, weil eben noch Dinge offen sind.
Nicht weil man besonders vernünftig damit umgeht.
Sondern weil Aufhören manchmal genauso schwer sein kann wie Anfangen.
Vielleicht ist Selbstfürsorge deshalb nicht immer das perfekte Abendritual, die Meditation oder der freie Sonntag.
Manchmal ist Selbstfürsorge viel unspektakulärer:
zu merken, dass der Akku leer ist – und nicht erst darauf zu warten, dass das ganze System ausgeht.
Reizi übt das noch. 😅